
Foto aus dem Pressebeitrag
Schüler sehen Afrika jetzt mit anderen Augen Kennerin des Schwarzen Kontinents zu Gast am Albert-Schweitzer-Gymnasium
Kann man sich vorstellen, dass man vor dem Schulunterricht eine Stunde auf einem Feld arbeiten muss - oder dass in einer Klasse 80 Schüler ohne Bücher und Hefte den Unterrichtsstoff auswendig lernen?
Für die Schüler der 7. Klassen am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim ist eine solche Vorstellung schwierig. Aber so ist der Alltag in Afrika, genauer gesagt in Benin/Westafrika. Dort lebt seit 20 Jahren Astrid Toda, die einen ganzen Vormittag in drei Klassen zu Besuch war und über Afrika erzählte. Dabei will Astrid Toda vor allem vermitteln, dass wir nicht alles, was wir über Afrika hören, sehen oder lesen, unkritisch übernehmen dürfen. Sie forderte die Schüler auf, zu hinterfragen und nach den Hintergründen zu forschen.
Am Anfang der Stunde zählten die Schüler auf, was sie mit Afrika verbinden: Hungersnot, Dürrekatastrophen, Armut, Kinder mit dicken Bäuchen, Voodoo, Safari, Wüste. Die negativen Bilder überwiegen, aber Afrika ist weit mehr. Afrika ist bunt und sehr vielfältig, wie schon die Landkarte aus vielen verschiedenen Stoffen zeigt, die an der Tafel hing. Der Kontinent hat eine Vielzahl an unterschiedlichen Landschaften, Klimagebieten, Völkern, Sprachen, Kulturen, Religionen, Pflanzen und Tieren. Zu jedem Stichwort konnte Astrid Toda den Schülern viel erzählen und sehr anschaulich Zusammenhänge und Hintergründe deutlich machen.Spendenaufrufe für Afrika gibt es immer wieder. Gemeinsam mit den Schülern wurde einer, der vor Kurzem erschien, kritisch gelesen. Als Ursachen für eine drohende Hungersnot wurden dabei Kriege und fehlender Regen genannt. Doch die wirkliche Ursache sah anders aus. Der Preis für Benzin in den Ländern, die keine eigenen Rohölvorkommen besitzen, ist gestiegen. Wegen hoher Transportkosten können die Lebensmittel kaum zu den Märkten der betroffenen Gebiete gebracht werden. Hilfsaktionen nach europäischem Muster (Lebensmitteltransporte aus Europa) sind auf Dauer wenig hilfreich für Afrika und die Menschen dort. Es ist sinnvoller, durch Geldspenden den Transport der Lebensmittel im betroffenen Land oder aus den Nachbarländern zu ermöglichen. Damit wird die Wirtschaft in den afrikanischen Ländern nicht kaputt gemacht.
Bilder, die zeigten, wie ein dreijähriges Kind schon mit einer Hacke im Schulgarten arbeitet, wie man sehr großen Wert auf Höflichkeit legt, was für Kleidung und Haarschmuck getragen werden, wie der Schlafplatz und die Kochecke aussehen, woher das Wasser kommt, welche Pflanzen es gibt und wie es dort in der Schule ist, veranschaulichten das tägliche Leben in Benin und machten es für die Schüler lebendig. Kinder in Afrika freuen sich, in die Schule gehen zu dürfen. Manche sammeln und verkaufen Brennholz, um Hefte kaufen zu können. Hierin liegt ein großer Unterschied zu den Kindern in Europa, die eher das Gefühl haben, in die Schule gehen zu müssen. Selbst in Klassen mit bis zu 80 Schülern ist in einer beninischen Dorfschule konzentriertes Lernen möglich.
Um diese Situation und damit die Zukunft der Kinder in Benin zu verbessern, hat Astrid Toda ein Projekt ins Leben gerufen, das Gemeinden vor Ort darin unterstützt, eigene Schulen zu bauen (
www.entwicklungshilfe-westafrika.de).Seit einigen Jahren hat die SMV des ASG eine Patenschaft für Noelie, ein kleines Mädchen aus Burkina Faso, übernommen. Mit den regelmäßigen Geldspenden werden die bei den Großeltern lebende Noelie und die ganze Gemeinde unterstützt - ganz im Sinne von Albert Schweitzer, der schon 1913 in seinem Urwaldkrankenhaus in Lambarene den Menschen geholfen hat; denn auch er hat die Menschen Afrikas mit anderen Augen gesehen, anders als viele seiner Zeitgenossen.